
Pilzprotein: Kynda Biotech eröffnet neuen Forschungs- und Produktionsstandort
Das Start-up Kynda Biotech hat in Jelmstorf (Landkreis Uelzen) seine neuen Labor- und Produktionsanlagen offiziell eröffnet. Mit dem neuen Standort nimmt das Unternehmen einen zentralen Baustein seiner Wachstumsstrategie in Betrieb und will die industrielle Nutzung von Pilzmycel als alternative Proteinquelle weiter vorantreiben. An der Einweihung nahmen Vertreter aus Politik und Wirtschaft teil, darunter Niedersachsens Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Miriam Staudte.
Der neue Standort von Knynda Biotech umfasst insgesamt 720 Quadratmeter und ist in zwei Bereiche gegliedert: Rund 360 Quadratmeter dienen der Forschung und Entwicklung, insbesondere der Prozessoptimierung und der Anpassung an unterschiedliche industrielle Substrate. Weitere 360 Quadratmeter entfallen auf die Produktion, in der eine Fermentationsanlage mit einem Gesamtvolumen von etwa 40.000 Litern betrieben wird. Dort stellt Kynda sogenannte Starterkulturen her, die es Industriekunden ermöglichen, an ihren eigenen Standorten bis zu 25.000 Tonnen Pilzmycel pro Jahr zu produzieren.
Technologische Grundlage ist ein Fermentationsverfahren, bei dem nährstoffreiche Nebenströme aus der Lebensmittelindustrie – etwa aus der Herstellung von pflanzlichen Proteinen, Soja- und Haferdrinks, Milch-, Zucker- oder Stärkeprodukten – innerhalb von rund 48 Stunden in proteinreiches Pilzmycel umgewandelt werden. Das Verfahren benötigt keine zusätzliche landwirtschaftliche Fläche und kann modular in bestehende industrielle Infrastrukturen integriert werden. Das entstehende Mycel weist ernährungsphysiologisch relevante Eigenschaften auf, darunter einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren und Ballaststoffe wie Beta-Glucane, und besitzt eine fleischähnliche Textur.
Nutzung von Reststoffen
Kynda reagiert damit auf ein strukturelles Problem der europäischen Ernährungswirtschaft: Trotz hoher Importabhängigkeit bei Proteinen bleiben in der EU jährlich mehr als 90 Millionen Tonnen nährstoffreicher Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung ungenutzt. Das Unternehmen versteht seine Technologie als industriellen Hebel, um diese Ressourcen wirtschaftlich zu verwerten. Entsprechend setzt Kynda auf eine enge Zusammenarbeit mit etablierten Lebensmittelherstellern und versteht sich als Technologiepartner, der Kunden von der Prozessauslegung über die Steuerung bis hin zur Ernte des Mycels begleitet.
Geschäftsführer und Mitgründer Franziskus Schnabel betonte anlässlich der Eröffnung, dass Kynda bewusst auf Skalierung in der Industrie setze, statt ausschließlich Nischenmärkte zu bedienen. Ziel sei es, bestehende Produktionsprozesse effizienter zu machen und zusätzliche Wertschöpfung direkt vor Ort zu ermöglichen.
Auch die Landespolitik misst dem Projekt Bedeutung bei. Ministerin Miriam Staudte bezeichnete die Fermentation als eine Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige, sichere und bezahlbare Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung. Mit der Inbetriebnahme der ersten industriellen Produktionsstätte zähle Kynda zu den technologischen Vorreitern Europas im Bereich der Biomassefermentation für Lebensmittel. Zugleich eröffne der Bereich alternativer Proteine Niedersachsen zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven.
In den vergangenen Jahren sind nach Unternehmensangaben rund 6,5 Mio. Euro in die Entwicklung der Technologie geflossen. Der Standort Jelmstorf fungiert nun als technologisches Zentrum des Unternehmens. Kynda beschäftigt derzeit rund zwölf Mitarbeiter und plant, den Standort auch für den Austausch mit Industriepartnern und interessierten Besuchern zu öffnen.


Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung IPK Gatersleben, Andreas Baehring
Ole Heinrich / 2025 / BioDeutschland
Lumatix Biotech GmbH